Eine Frage der Frauengesundheit: Chemikalien in Damenhygieneartikeln und Gleitgelen

Auch wenn wir schon viele englische Artikel, insbesondere zum Thema Frauengesundheit, Menstruation und vor allem aus TSS und Tampon-Chemikalien Forschung gewohnt sind, so ist es gerade bei brisanten Themen nicht immer einfach alles inhaltlich perfekt zu verstehen. So habe ich die bezaubernde Meike gebeten den erhellenden Artikel „A Question for Women’s Health: Chemicals in Feminine Hygiene Products and Personal Lubricants“ im online Bereich der Environmental Health Perspektive Webseite zu übersetzen. Autorin des Original-Artikels ist Wendee Nicole.

Hier wird darüber aufgeklärt, warum Tampons, aber auch Einwegbinden, Intimduschen und manche Gleitgele gesundheitlich bedenklich bis gefährlich sind.

Eine Frage für Frauengesundheit: Chemikalien in Damenhygieneartikeln und Gleitgelen

(Wendee Nicole hat 2013 eine Auszeichnung für Umweltberichterstattung erhalten. Sie schreibt für zahlreiche Zeitschriften aus den Bereichen Wissenschaft, Umwelt und Tierschutz)

Die Vaginalforschung hat 1992 an den National Institutes of Health (NIH, dt.: Nationale Gesundheitsinstitute) einen lang ersehnten Aufschwung erhalten, nämlich als Penny Hitchcock den Zweig Sexuell übertragbare Krankheiten am NI für Allergie und Infektionskrankheiten übernahm und Nancy Alexander Leiterin des Zweigs Verhütungsmittelentwicklung im NIH Zentrum für Bevölkerungsforschung wurde – Posten, die zuvor Männer innegehabt hatten. „Diese beiden setzten sich zusammen und stellten fest, dass die NIH keine Programme für Vaginalforschung hatten.“, sagt Ri-chard Cone, ein Johns Hopkins Professor für Biophysik. Cone hatte 1980 begonnen, vaginale Verhütungsmittel zu entwickeln, die gegen sexuell übertragbare Infektionen (STIs von engl.: Sexually Transmitted Infections) schützen würden, und bis dahin um finanzielle Förderung gekämpft.

Ein kürzlicher Bericht der gemeinnützigen Organisation Women’s Voices for the Earth (WVE, dt.: Stimmen der Frauen für die Erde) weist darauf hin, dass Damen[Einweg]hygieneprodukte möglicherweise Inhaltsstoffe enthalten, die bekannte oder vermutete Endokrinzerstörende Chemikalien, Karzinogene oder Allergene sind.

Hitchcock und Alexander starteten bald Forschungsprogramme zu Vaginalphysiologie, -immunologie sowie –mikrobiziden und förderten schließlich Cones Arbeit. Diese neuen Programme führten bei Menschen und Tieren zu der bahnbrechenden Entdeckung, dass bestimmte Chemikalien – einschließlich Glycerin (Glycerol), eine gebräuchliche Basis für Gleitgele – vaginale und rektale Epithele zerstören oder reizen können und damit potentiell die Übertragung von STIs wie Herpes oder HIV steigern.

Wenn es um die Fortpflanzungsgesundheit geht, erlangt Forschung zu Verhütungsmitteln und STIs weiterhin weltweites Interesse. Aber ein ähnlicher Bereich – die Gefährdung durch Chemikalien in Damenhygieneartikeln und Gleitgelen – erhält weit weniger Aufmerksamkeit. Allein in den USA geben die Frauen jährlich weit über 2 Milliarden Dollar für Damenhygieneartikel aus, einschließlich Tampons, Binden, Intimreiniger, -sprays, -puder und -pflegetücher. Aber bis vor kurzem existierten kaum Forschungen dazu, wie Chemikalien in diesen Produkten sich möglicherweise auf die Gesundheit von Frauen auswirken. Während vereinzelte Befunde bekannt werden, verlangen zahlreiche Wissenschaftler und Interessengruppen nach mehr Forschung, welche die Lücken schließen soll.

Ein kürzlicher Bericht der gemeinnützigen Organisation Women’s Voices for the Earth (WVE, dt.: Stimmen der Frauen für die Erde) weist darauf hin, dass Damenhygieneprodukte möglicherweise Inhaltsstoffe enthalten, die bekannte oder vermutete Endokrinzerstörende Chemikalien, Karzinogene oder Allergene sind. Und während fast alle Frauen, Tampons oder Damenbinden benutzen, verwenden schwarze und Latina-Frauen häufiger Intimduschen, -pflegetücher, -puder und –deodorants als Frauen anderer Rassen, was sie einem größeren Risiko potentieller chemischer Gefährdung aussetzt.
„Es ist ein bisschen gewagt. Die Leute sind geschockt und sagen Sachen wie: ‚Ich habe nie über [die Vagina] als wichtige innere Verbindung zum Körper gedacht‘“, sagt Alexandra Scranton, Direktorin der Wissenschaft und Forschung für WVE. „Obwohl es wohlbekannt ist, dass das vaginale Ökosystem empfindlicher und absorptionsfähiger ist als normale Haut, gibt es da draußen überraschend wenig Forschung zu Damenpflegeprodukten.“

Der vaginale Kontaktweg

Die weiblichen Sexualorgane haben sich so entwickelt, dass sie selbstreinigend sind. Der Vaginalkanal ist reichlich mit Blutgefäßen ausgestattet und produziert Schleim, der gegen schädliche Mikroorganismen schützt und diese wegwäscht. Als eine Schleimhaut ist die Vagina in der Lage, in höherem Maße Flüssigkeiten zu produzieren und zu absorbieren als normale Haut; Gleiches gilt für einige äußere Bereiche der Vulva, einschließlich der Klitoris, der Klitorisvorhaut, der inneren Schamlippen und der Harnröhre.

„Ein Großteil der Vagina ist mit mehreren Schichten abgestorbener oder absterbender Zellen bedeckt, die viel dazu beitragen, sie gegen Infektionen zu schützen, aber [dies] reicht bei weitem nicht an die dicke ledrige Oberfläche unserer Haut heran“, sagt Cone. „Das vaginale Zellgewebe … ist hoch wasserdurchlässig auf eine Weise, wie unsere Haut es nicht ist.“

Zota erforscht, ob parfümierte Damenhygieneartikeln, im Besonderen, zu der Belastung des Körpers durch Endokrinzerstörende Chemikalien bei Frauen unterschiedlicher Rasse- und sozioökonomischer Gruppen beitragen.

Weil Schleimhäute in der Vagina und Vulva Chemikalien schnell aufnehmen, ohne sie abzubauen, haben Forscher sogar die Möglichkeit untersucht, Medikamente vaginal zu verabreichen. Eine Studie ergab, dass die vaginale Anwendung von Östradiol, einem synthetischen Östrogen, zu Blutserumspiegeln führte, welche zehnmal höher waren als die nach oraler Verabreichung. Aber während schnelle Absorption gut funktioniert, wenn eine Patientin schnell ein Medikament benötigt, setzt es Frauen auch möglicherweise einem höheren Gehalt an Chemikalien von Damenhygieneartikeln aus, als Hersteller es beabsichtigen.

„Die Studie über verstärkte Absorption von Östradiol war wirklich überzeugend, denn viele dieser Chemikalien [die in Damenpflegeprodukten zu finden sind] können sich störend auf die Östrogen-Signalisierung auswirken“, sagt Ami Zota, Dozentin für Epidemiologie an der George Washington Universität. „Es erscheint plausibel, dass sich dasselbe Konzept auf andere [Endokrinzerstörende Chemikalien] ausdehnen lässt.“ Zota erforscht, ob parfümierte Damenhygieneartikeln, im Besonderen, zu der Belastung des Körpers durch Endokrinzerstörende Chemikalien bei Frauen unterschiedlicher Rasse- und sozioökonomischer Gruppen beitragen.

Unter den vermuteten Endokrinzerstörenden Chemikalien, die in Damen[Einweg]hygieneprodukten zu finden sind, sind Parabene, welche als Konservierungsstoffe verwendet werden, und Bestandteile von Duftstoffen, einschließlich Diethylphthalat und Galaxolide® (Parabene werden häufig auch in Gleitgelen verwendet). „Chemikalien von Kunststoffen sind möglicherweise ebenfalls von potentiellem Belang, da viele dieser Damenhygieneartikel Applikatoren haben“, sagt Zota.

Infektionen und Irritationen

Mehrere Studien ergaben, dass schwarze und Latina-Frauen dazu neigen, häufiger Intimduschen und -deodorants zu benutzen als Frauen anderer Rassen, und bei ihnen zudem die Zahl an Erkrankungen mit bakterieller Vaginose und Pilzinfektionen höher ist. Auch sind Intimduschen unter Frauen einer niedrigeren sozialwirtschaftlichen Klasse verbreiteter, besonders unter weißen Frauen.

Trotzdem raten die American Public Health Association (APHA, dt.: Amerikanische Vereinigung für öffentliche Gesundheit) und andere Gesundheitsorganisationen mit Nachdruck von Intimduschen ab, es sei denn, sie sind ausdrücklich medizinisch empfohlen worden. Die Forschung hat Intimduschen mit einem erhöhten Risiko für bakterielle und Pilzinfektionen, Entzündungen im Beckenbereich und Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht sowie mit erhöhter Übertragung von STIs und anderen gesundheitsschädlichen Folgen.

Aber ungeachtet anhaltender Warnungen bzgl. Intimduschen hat beinahe die Hälfte der Frauen, welche in einer Studie von 2008 bis 2010 befragt wurden, im vorherigen Monat eine Intimdusche durchgeführt. Die Mehrheit hat die Praxis von ihren Müttern gelernt und gab an, Intimduschen durchzuführen, um sich sauber und frisch zu fühlen, um sich auf Sex vorzubereiten oder sich danach zu reinigen.

„Die Menschen werden sich der Chemikalien in Shampoo, Gesichtsreiniger und anderen Hygieneartikeln bewusster, aber wenn man von Damenhygieneartikeln spricht… ist es ein Schock.“

„Bei Intimduschen begegnen wir vielen kulturellen Fragen dazu, wie Frauen riechen sollten und wie Frauen auf ihren Körper achtgeben sollten, wenn es sich nicht unbedingt auf ihre Gesundheit bezogen ist“, sagt Ryann Nickerson, Leiterin des Kommunikationsbereichs für die Colorado Organization for Latina Opportunity and Reproductive Rights (COLOR, dt.: Colorado Organisation für Opportunität und Fortpflanzungsrechte von Latinas). „Dies sind kulturelle Spiegelungen.“ Sie sagt, die Frauen würden niemals hinterfragen, ob ihre Mütter ihnen raten, etwas Ungesundes oder Gefährliches zu tun.

COLOR leitet im Bereich von Denver cafecitos, oder Kaffeetreffen, für Latina-Frauen aus diversen sozialen Schichten, einschließlich neuer Immigrantinnen. „Frauen und besonders farbige Frauen erhalten nicht immer die Informationen, die sie benötigen“, sagt Nickerson. „Die Menschen werden sich der Chemikalien in Shampoo, Gesichtsreiniger und anderen Hygieneartikeln bewusster, aber wenn man von Damenhygieneartikeln spricht… ist es ein Schock.“

Vaginale Pilzinfektionen und Bakterielle Vaginose sind häufig bei Frauen und viele behandeln vermutete Infektionen mit rezeptfreien Medikamenten, einschließlich Imidazol Antimykotika, Cremes gegen Juckreiz und einer Auswahl von homöopathischen Mitteln. Aber ohne medizinische Ausbildung sind Frauen nicht immer in der Lage, sich erfolgreich selbst zu diagnostizieren. Eine Studie zeigte, dass eine erfolgreiche Selbstdiagnose lediglich bei 34,5% nicht-ausgebildeter Frauen vorlag, bei denen jemals zuvor eine Pilzinfektion diagnostiziert worden war. Bei den nicht-ausgebildeten Frauen ohne jemals zuvor diagnostizierte Pilzinfektion waren es 11%. Dies kann zu unnötiger Anwendung rezeptfreier Medikamente führen, welche wiederum potentiell die Voraussetzungen für übermäßiges Wachstum Azolresistenter Pilzarten schafft, unter anderen möglichen Problemen.

Zahlreiche Studien berichten außerdem von Fällen von Kontaktdermatitis durch Damenbinden.

Übliche Probleme durch die Verwendung diverser Damenhygieneartikel sind allergische Reaktionen und Irritationen; eine Reihe von Chemikalien, welche ansonsten vergleichsweise sicher sind, können diese Reaktionen bei empfindlichen Menschen hervorrufen. In dem, was Scranton als Schleife positiver Resonanz betrachtet, wenden sich Frauen möglicherweise rezeptfreien Medikamenten zu, um Juckreiz zu stillen, wenn diese das Problem verschlimmern könnten.

„Ein gebräuchlicher Bestandteil rezeptfreier Medikamente gegen Juckreiz ist Benzocain, welches eine betäubende Wirkung hat, sodass es vorübergehend Juckreiz lindert“, sagt Scranton. [Aber] in Studien ist es einer der Spitzenauslöser, die dafür bekannt sind, anogenitale Dermatitis zu verursachen [Irritationen und Juckreiz um den After und die Genitalien].“ Zahlreiche Studien berichten außerdem von Fällen von Kontaktdermatitis durch Damenbinden.

Menstruationsprodukte

Das Toxische Schock Syndrom (TSS) bleibt eine der bestbekannten gesundheitlichen Auswirkungen von Damenhygieneartikeln. Fälle vom TSS, welches tödlich sein kann, erreichten etwa zur selben Zeit einen Höchststand, als Hersteller begannen, vier synthetische Produkte in Tampons mit hoher Saugfähigkeit zu verwenden. Heute ist die einzige in Tampons erlaubte Synthesefaser Viskosefaser, welche oft mit Baumwolle gemischt wird. „[Viskosefaser] war der beste der viel schlechten Bestandteile, von denen drei vom Markt genommen wurden“, sagt Philip Tierno, ein klinischer Mikrobiologe und Pathologieprofessor an der New York University. Eine kleine Anzahl TSS-Fälle wird nach wie vor jedes Jahr den Centers for Diseases Control and Prevention [CDC, dt.: Zentren für Kontrolle und Prävention von Krankheiten] gemeldet (die Meldung ist nicht in allen Staaten erforderlich).

Synthetische Fasern sind saugfähiger als Baumwolle; sie konzentrieren Menstruationsproteine in höherem Maße als Baumwolle und bieten „eine unglaublich perfekte physikalisch-chemische Umgebung“ für Toxinproduktion, sagt Tierno. „Baumwolle ist das bestmögliche Produkt.“ Dennoch können alle Tampons winzige Risse in der Vagina verursachen, welche Einlass für andere Chemikalien oder das TSS-Toxin bieten.

„Alle [synthetischen] Fasern bewirken die Produktion großer Mengen von Toxinen; diese werden von der Vaginalschleimhaut, welche von vielen Gefäßen durchzogen ist, absorbiert“, sagt Tierno, der TSS mit einem Toxin in Verbindung brachte, welches von Staphylococcus aureus in der Anwesenheit von Tampons aus synthetischen Fasern produziert wird. Synthetische Fasern sind saugfähiger als Baumwolle; sie konzentrieren Menstruationsproteine in höherem Maße als Baumwolle und bieten „eine unglaublich perfekte physikalisch-chemische Umgebung“ für Toxinproduktion, sagt Tierno. „In der Vagina sind die Bakterien, die diesen Platz einnehmen, hauptsächlich anaerob [d.h. von Luftsauerstoff unabhängig]. „Wenn man ein synthetisches Produkt in die Vaginalhöhe platziert, reagieren diese Bakterien auf die veränderte physikalische Umgebung.“

In Jahrzehnten der Forschung hat Tierno noch nie einen TSS-Fall bei ausschließlichem Gebrauch eines reinen Baumwolltampons gesehen. Im Endeffekt bedeutet dies seiner Meinung nach: „Baumwolle ist das bestmögliche Produkt.“ Dennoch können alle Tampons winzige Risse in der Vagina verursachen, welche Einlass für andere Chemikalien oder das TSS-Toxin bieten.

„Eine Frau benutzt ungefähr 11.400 Tampons in ihrem Menstruationsleben“, sagt Tierno. „Das bedeutet, sie ist 11.400 mal Dioxinen ausgesetzt.“

Dioxine stellen für einige Verbraucherinnen eine weitere Beunruhigung dar. Spuren dieser Chemikalien sind manchmal als Nebenprodukt des Bleichens von Baumwolle und Holzzellstoff in Tampons und Binden vorhanden. Eine Studie aus dem Jahre 2002 stellte die Gefährdungen durch Dioxine von vier Tamponmarken nach und schätze sie verglichen mit den Gefährdungen durch das Nahrungsangebot oder andere Quellen als insignifikant ein. Eine Patientenwarnung der U.S. Food and Drug Administration (FDA, dt.: Behörde für Lebensmittel und Medikamente der Vereinigten Staaten) beschreibt das Risiko schädlicher Auswirkungen von Dioxinen als „vernachlässigbar“.

Jedoch haben bisher keine Studien die Ausbreitung von Dioxinen in vivo [d.h. im lebenden Organismus]  getestet. Laut Tierno können sich selbst winzige Mengen Dioxine mit möglicherweise allmählich zunehmenden Auswirkungen im Körper anhäufen. „Eine Frau benutzt ungefähr 11.400 Tampons in ihrem Menstruationsleben“, sagt Tierno. „Das bedeutet, sie ist 11.400 mal Dioxinen ausgesetzt.“

Der WVE Bericht warf auch die Frage nach Pestiziden in der Baumwolle, welche in Damenhygieneprodukten verwendet wird, auf. Der Bericht zitiert eine unabhängige Untersuchung, welche von einer Webseite in Auftrag gegeben wurde, die die Interessen von Verbrauchern vertritt. Dem Bericht zufolge ergab diese Untersuchung nachweisbare Rückstände von acht Pestiziden bei einer Tamponmarke.

Seit 1999 hat die Kongressabgeordnete Carolyn Maloney (Demokratin, New York) wiederholt ohne Erfolg das Robin Danielson Gesetz vorgestellt – welches bundesstaatliche Forschung zu TSS, der Verwendung von Tampons und der Chemikaliengefährdung durch Damenhygieneartikel fordert. „Es wurde als unnötig und eine Geldverschwendung niedergeschmettert“, sagt Tierno, jüngst in 2011. „Sie können Ihren letzten Dollar darauf verwetten, dass, wenn die Masse der Abgeordneten weiblich wäre oder wenn diese Männer menstruieren würden, sie es inzwischen verabschiedet hätten.“

Der WVE Bericht warf auch die Frage nach Pestiziden in der Baumwolle, welche in Damenhygieneprodukten verwendet wird, auf. Der Bericht zitiert eine unabhängige Untersuchung, welche von einer Webseite in Auftrag gegeben wurde, die die Interessen von Verbrauchern vertritt. Dem Bericht zufolge ergab diese Untersuchung nachweisbare Rückstände von acht Pestiziden bei einer Tamponmarke. „Ich kenne die Qualitätskontrolle in dem Labor nicht“, sagt Charlene Dezzutti, eine Privatdozentin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der University of Pittsburgh, „aber sie macht uns auf etwas aufmerksam und vielleicht sollten wir eine bessere Richtlinie dafür haben, was getestet werden sollte.“

Die FDA hat alle Hände voll zu tun, sagt Dezutti, „aber die Menschen tun diese Produkte in sich hinein und wenn frau Dinge in ihre Vagina oder ihr Rectum steckt, kann es zu Absorption kommen.“ FDA-Sprecherin Morgan Liscinski sagt, dass sie sich keiner gut durchgeführten von Fachleuten überprüften Forschung zur Absorption von Pestiziden aus Tampons bewusst ist, welche als Basis für behördliche Entscheidungsfindung dienen könnte.

Gleitmittel und STI-Übertragung

Ebenso wie Cone untersucht Dezzutti, wie Microbiozide möglicherweise STI-Übertragung verhindern könnten, und im Laufe ihrer Arbeit stellte sie fest, dass viele Gleitgele menschliche Vaginalzellen beschädigen. „Viele der Gleitmittel auf Wasserbasis sind hyperosmolar, [was bedeutet,] dass sie dazu neigen, Wasser aus den Zellen zu ziehen, und das führt dazu, dass die Zellen schrumpfen und austrocknen“, erklärt sie. „Als wir menschliches Gewebe betrachteten, brach das Gebärmutterepithelium weg und die rektale Schleimhaut löste sich ebenfalls ab.“

Gleitmittel haben von Osmolalitäten [d.h. Konzentrationen von gelösten Stoffen]. Dezzutti fand heraus, dass Gleitmittel mit Osmolalitäten nahe extrazellulärer Körperflüssigkeiten die geringsten Auswirkungen auf die Zellviabilität haben. „Die Produkte, die wir in unserer Veröffentlichung als am sichersten erachtet haben, waren Gleitmittel auf Silikonbasis … und das Gleitmittel für das Frauenkondom ®“, sagt Dezzutti. „Zwei auf Wasserbasis, die wir für sicher befunden haben, waren Preseed [Fruchtbarkeitsfreundliches Gleitmittel] und Good Clean Love.“ Dezzutti vermutet, dass von hypersomolaren Gleitmittel verursachte vaginale und anale Epitheliumschäden möglicherweise die Übertragungsrate von STIs erhöhen, eine Vermutung, die von einer kleinen Forschungslage unterstützt wird.

Gleitmittel, welche hoch osmolares Glycerin enthalten, wurden ebenfalls bereits mit bakterieller Vaginose und Veränderungen in der Vaginalflora in Verbindung gebracht. „Ein Anstieg im Vaginal-pH deutet normalerweise auf ein übermäßiges Wachstum an gramnegativen Bakterien [eine von zwei großen Gruppen, in die sich Bakterien anhand des Aufbaus ihrer Zellwände einteilen lassen; benannt nach dem Entwickler H.C. Gram] hin. „Normalerweise hat man Milchsäurebakterien, aber stattdessen findet man [bei diesem übermäßigen Wachstum] E.coli und Garnerella. Es ist ähnlich wie die Auswirkungen bei Antibiotikaeinnahme. Eine andere Studie jedoch stellte keine offensichtlichen Schäden bei der Vaginalflora von Rhesusaffen durch die Verwendung von K-Y Wärmegel fest, trotz des hohen Glyceringehalts des Produkts.

Cone berichtet von Belegen dafür, dass Glycerin, Glycerinmonolaurat, Polyethylenglycol und Polypropylenglycol – die alle als Bindemittel oder Füllstoffe in Gleitmittel verwendet werden – die Übertragung von Genitalherpesinfektionen in der Mäusevagina erhöhte. Cone und Kollegen schrieben: „Obwohl Bindemittel häufig ‚inaktive Inhaltsstoffe‘ genannt werden, und weithin als gutartig betrachtet werden, besitzen diese Inhaltsstoffe Aktivitäten und Toxizitäten.“ Sie schrieben weiter, dass keine der Bindemittel, die in Gleitmitteln oder anderen Vaginalprodukten verwendet werden, speziell getestet wurden, um zu sehen, ob sie die Anfälligkeit für STIs über Schleimhäute erhöhen.

Unterschiedliche Vorschriften

Die FDA reguliert Damenhygieneprodukte auf drei verschiedene Arten. Tampons, Damenbinde und die meisten Gleitgele werden als medizinische Mittel betrachtet, während mit Medikamenten versetzte Intimduschen, Cremes gegen Juckreiz und die meisten Mittel zur Behandlung von Pilzinfektionen als rezeptfreie Medikamente geregelt werden. In der dritten Kategorie werden Intimdeosprays, -puder, -reiniger, -duschen ohne Medikamente, und die meisten Intimpflegetücher als Kosmetika eingeordnet.

Produkte, die als medizinische Mittel klassifiziert sind, brauchen Inhaltsstoffe nicht auf der Verpackung auszuweisen, was WVE (Women’s Voices for the Earth) dazu veranlasst hat, bei Tamponherstellern eine Eingabe zu machen, dass damit begonnen wird, diese Informationen aufzuführen. Manche Damenprodukte sind mit dem Hinweis gekennzeichnet: „Nur zur äußeren Anwendung“, was für Verbraucherinnen verwirrend sein kann. Jamie McConnell, strategischer Policy Director von WVE, erklärt, dass die Gebrauchsanweisung eines Feuchtigkeitsgels lautet: „Tragen Sie eine kleine Menge Gel auf die Vaginalöffnung auf“, aber dass es auf dem Produktetikett heißt: „Nur zur äußeren Anwendung“. Dennoch sagt sie: „Wenn frau es an ihrer Vagina verwendet, wird etwas davon nach innen dringen.“

„Die große Datenlücke ist, was [wenn überhaupt] die gesundheitsschädlichen Auswirkungen sind, die durch den Kontakt mit den Chemikalien dieser Damenhygieneartikel entstehen, und in welchem Ausmaß wir den Kontakt unterschätzt haben, weil wir diesem einzigartigen Kontaktweg und der Möglichkeit unterschiedlicher [Absorption] keine Rechnung getragen haben“, sagt Zota. „Es ist nun eine Aufforderung an die umweltbewusste Gesundheitsgemeinschaft, sich mit ein paar dieser Lücken zu befassen.“

Ein Intimreiniger, der Farbzusatzstoffe enthält, welche nur für die äußere Anwendung zugelassen sind, brachte WVE dazu, die FDA bzgl. einer Klarstellung zu kontaktieren, da der Kontakt mit Schleimhäuten während des Waschens unvermeidbar scheint. Beth Meyers, eine Sprecherin des FDA Office of Cosmetics and Colors [dt.: Amt für Kosmetika und Farben der FDA], sagt: „Der Ausdruck ‚äußere Anwendung‘, wie er für Farbzusatzstoffe verwendet wird, schließt ausdrücklich die Anwendung auf Schleimhäuten aus.“ Meyers fügt allerdings hinzu: „Im Allgemeinen bildet eine isolierte Meldung oder eine unbestätigte Einzelinformation nicht den adäquaten Rückhalt für Durchsetzungsmaßnahmen.“

Mit größerem Bewusstsein für Chemikalien in Damenhygieneartikeln, für die einzigartigen Charakteristika der Vaginalregion und für die Möglichkeit gesundheitsbezogener Unterschiede zwischen diversen Gruppen von Frauen durch die kulturell bestimmte Verwendung dieser Produkte, ist es ersichtlich, dass mehr Studien nötig sind, um die Punkte zu verbinden.

„Die große Datenlücke ist, was [wenn überhaupt] die gesundheitsschädlichen Auswirkungen sind, die durch den Kontakt mit den Chemikalien dieser Damenhygieneartikel entstehen, und in welchem Ausmaß wir den Kontakt unterschätzt haben, weil wir diesem einzigartigen Kontaktweg und der Möglichkeit unterschiedlicher [Absorption] keine Rechnung getragen haben“, sagt Zota. „Es ist nun eine Aufforderung an die umweltbewusste Gesundheitsgemeinschaft, sich mit ein paar dieser Lücken zu befassen.“

Graphic percentage of women using feminine hygiene productsGrafik 1: Schleimhäute in der Vagina und Vulva nehmen Chemikalien schnell auf, ohne sie abzubauen. Aber bis vor kurzem existierten kaum Forschungen dazu, wie Chemikalien in diesen Produkten sich möglicherweise auf die Gesundheit von Frauen auswirken.

Grafik 2: Prozentsatz an Frauen, welche Damenhygieneartikel benutzen nach Rasse/ethnischer Zugehörigkeit

Umfragen, die in den 1990er bis 2000er Jahren durchgeführt wurden, vermittelten nicht nur einen Eindruck davon, wie häufig manche Produkte verwendet werden, sondern auch, wie breit die Verwendung quer durch Rassen-/ethnische Gruppen variieren kann.

Basierend auf Scranton (2013)

Vaginale Mikrobiomzusammensetzung nach Rasse/ethnischer Zugehörigkeit

graphic vaginale microblome makeup by race/echnicity Eine Studie zu den vaginalen Mikrobiomen von fast 400 gesunden Frauen ermittelte fünf große Gruppen von mikrobiellen Gemeinschaften (Gruppen I-V), die je nach ethnischer Zugehörigkeit in unterschiedlichen Verhältnissen auftauchen. Die Gruppen I, II, II und V werden von Lactobacillus [dt.: Milchsäurebakterien] Arten dominiert, von welchen angenommen wird, dass sie eine große schützende Rolle in der Vaginalgesundheit spielen. Gruppe IV beinhaltete eine Vielfalt von anaeroben Arten, wie Prevotella und Gardenella. Verglichen mit weißen und asiatischen Frauen neigten hispanische und schwarze Frauen dazu, mehr Gemeinschaften der Gruppe 4 und höhere vaginale pH-Werte zu haben. Die Autoren legen nahe, dass Genetik und Hygieneverhalten nur zwei Faktoren sind, welche die Unterschiede in Mikrobiomen zwischen den ethnischen Gruppen bedingen könnten.

Mit Erlaubnis reproduziert aus Proceedings of the National Academy of Sciences
[dt.: Veröffentlichungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften]

Meike Walter ist Lehrerin für Englisch (Ihr Herzenswunsch und Traumberuf)

 

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